Legionellen im Trinkwasser: Wie sie entstehen
Legionellen sind kein Trinkrisiko, sondern ein Atemrisiko. Entscheidend sind Temperatur und Stillstand im Leitungsnetz.

Microsoft Katja (Neural, deutsch)
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in geringer Zahl in Grund- und Oberflächenwasser vorkommen. Zum Problem werden sie erst in Hausinstallationen, weil dort Bedingungen herrschen, unter denen sie sich stark vermehren können.
Warum die Temperatur entscheidet
Ihr Wachstumsoptimum liegt etwa zwischen 25 und 45 Grad. Unter 20 Grad vermehren sie sich kaum, oberhalb von etwa 55 Grad sterben sie mit zunehmender Temperatur zügig ab. Kritisch sind deshalb lauwarme Bereiche: ein zu niedrig eingestellter Warmwasserspeicher, lange Zirkulationswege mit Temperaturverlust, kaltes Wasser, das durch benachbarte warme Leitungen aufgeheizt wird.
Hinzu kommt der Stillstand. In selten genutzten Strängen — Gästebad, Ferienwohnung, leerstehende Etage — bildet sich Biofilm, in dem die Bakterien geschützt wachsen. Amöben im Biofilm dienen ihnen dabei als Wirt.
Der Übertragungsweg
Angesteckt wird man nicht durch Trinken, sondern durch Einatmen feinster Wassertröpfchen. Aerosole entstehen beim Duschen, an Whirlpools, in Klimaanlagen mit Befeuchtung, an Rückkühlwerken und an Springbrunnen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet praktisch nicht statt, weshalb Ausbrüche fast immer auf eine gemeinsame technische Quelle zurückgehen.
Zwei Krankheitsbilder werden unterschieden. Das Pontiac-Fieber verläuft grippeähnlich und klingt meist von selbst ab. Die Legionärskrankheit ist eine schwere Lungenentzündung mit einer Inkubationszeit von in der Regel zwei bis zehn Tagen; sie wird mit Antibiotika behandelt und kann tödlich verlaufen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucherinnen und Raucher sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem. Nachweise sind meldepflichtig.
Was Betreiber prüfen müssen
Die Trinkwasserverordnung verpflichtet Betreiber sogenannter Großanlagen zur Warmwasserbereitung zu regelmäßigen Untersuchungen, wenn das Wasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgegeben wird — das betrifft insbesondere vermietete Mehrfamilienhäuser, Hotels, Heime und Sportstätten. Überschreitungen des technischen Maßnahmenwerts lösen eine Ursachenermittlung, eine Gefährdungsanalyse und Maßnahmen aus; das Gesundheitsamt wird beteiligt.
Was Haushalte selbst tun können
Der Warmwasserspeicher sollte auf mindestens 60 Grad eingestellt sein, und an jeder Entnahmestelle sollten nach kurzem Lauf mindestens 55 Grad ankommen. Kaltwasser sollte kalt bleiben, also unter 25 Grad. Selten benutzte Leitungen werden regelmäßig gespült.
Nach längerer Abwesenheit gilt eine einfache Regel: den Duschkopf abnehmen, das Wasser einige Minuten heiß ablaufen lassen und den Raum dabei verlassen, um die Aerosole nicht einzuatmen. Duschköpfe und Schläuche gehören regelmäßig entkalkt oder ersetzt. Wer die Warmwassertemperatur aus Spargründen absenkt, sollte wissen, dass dies genau in den kritischen Bereich führt.


