Diphtherie: Warum der Impfschutz nachlässt
Diphtherie galt lange als Krankheit der Vergangenheit. Dass sie es nicht ist, hat mit einer Auffrischung zu tun, die Erwachsene häufig versäumen.

Microsoft Katja (Neural, deutsch)
Diphtherie wird von Corynebakterien verursacht, die ein Gift bilden. Dieses Toxin schädigt Gewebe und kann über die Blutbahn Herzmuskel und Nerven angreifen. Genau daran setzt die Impfung an — und daraus ergibt sich, warum sie regelmäßig aufgefrischt werden muss.
Krankheitsbild
Die klassische Rachendiphtherie beginnt mit Halsschmerzen und Fieber. Charakteristisch sind festhaftende Beläge auf Mandeln und Rachen, die zu Atemnot führen können, dazu ein süßlicher Mundgeruch und geschwollene Halslymphknoten. Gefürchtet sind die Spätfolgen der Toxinwirkung: Herzmuskelentzündung und Lähmungen.
Daneben gibt es die Hautdiphtherie mit schlecht heilenden, belegten Wunden. Sie tritt in Europa häufiger auf als die Rachenform und wird oft erst spät erkannt, weil sie an eine gewöhnliche Wundinfektion erinnert.
Übertragen wird die Erkrankung durch Tröpfchen beim Sprechen und Husten, bei der Hautform durch Kontakt mit Wundsekret. Verdachtsfälle und Nachweise sind meldepflichtig; enge Kontaktpersonen werden untersucht und je nach Lage vorbeugend behandelt.
Was die Impfung leistet
Verwendet wird ein Toxoidimpfstoff: ein entgiftetes Toxin, gegen das der Körper Antikörper bildet. Der Schutz richtet sich damit gegen die Giftwirkung und verhindert den schweren Verlauf. Eine Besiedelung des Rachens schließt er nicht mit Sicherheit aus — geimpfte Personen können den Erreger also unter Umständen weitergeben, ohne selbst schwer zu erkranken. Für die Bewertung von Ausbrüchen ist dieser Unterschied wesentlich.
Der Antikörperspiegel sinkt über die Jahre. Deshalb ist die Grundimmunisierung im Säuglings- und Kleinkindalter allein nicht ausreichend.
Der empfohlene Rhythmus
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grundimmunisierung im ersten Lebensjahr, üblicherweise mit einem Kombinationsimpfstoff, sowie Auffrischungen im Vorschul- und im Jugendalter. Danach gilt für Erwachsene eine Auffrischung alle zehn Jahre, in der Regel gemeinsam mit Tetanus und einmalig auch mit einer Keuchhusten-Komponente.
Genau hier entstehen die Lücken. Die Tetanusauffrischung nach einer Verletzung ist vielen geläufig, die eigenständige Kontrolle des Zehnjahresintervalls dagegen nicht. Untersuchungen zum Immunstatus zeigen bei Erwachsenen regelmäßig unzureichende Werte, mit zunehmendem Alter häufiger.
Wann sich eine Auffrischung besonders lohnt
Vor Reisen in Regionen mit bekannten Ausbrüchen, bei Tätigkeit im Gesundheitswesen und in Gemeinschaftsunterkünften sowie generell, wenn die letzte Impfung mehr als zehn Jahre zurückliegt. Der Impfpass gibt darüber Auskunft; fehlt er, kann die Impfung ohne Risiko nachgeholt werden. Ein Blick in das Heft ist der kleinste Aufwand in diesem Zusammenhang.


