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Wie sich ein Festival rechnet

Bühnen, Gagen, Sanitär und Sicherheit sind bezahlt, bevor der erste Gast das Gelände betritt. Was passiert, wenn ein Unwetter dazwischenkommt, entscheidet eine Police.

Wie sich ein Festival rechnet
Die Redaktion
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Microsoft Katja (Neural, deutsch)

Ein großes Open-Air ist wirtschaftlich ein Projekt mit umgekehrter Reihenfolge: Fast alle Kosten fallen an, bevor die Veranstaltung stattfindet. Das erklärt die meisten Eigenheiten der Branche.

Wohin das Geld fließt

Die größten Posten sind die Gagen der Künstler und die Infrastruktur: Bühnen, Ton- und Lichttechnik, Stromversorgung, Zäune, Sanitäranlagen, Wasserversorgung, Abfallentsorgung, Campingflächen. Dazu kommen Ordnungsdienst und Sanitätswachdienst in einer Stärke, die im Sicherheitskonzept mit der Behörde abgestimmt wird, außerdem Geländemiete, Genehmigungen, Verkehrslenkung und Versicherungen.

Auf der Einnahmenseite dominiert der Ticketverkauf. Gastronomie, Camping-Aufschläge, Merchandising und Sponsoring kommen hinzu, tragen aber selten die Grundkosten.

Warum der Vorverkauf so früh startet

Weil die Ausgaben vorlaufen, ist der Vorverkauf nicht nur Marketing, sondern Finanzierung. Die Einnahmen aus früh verkauften Tickets stellen die Liquidität bereit, mit der Gagenvorschüsse und Anzahlungen an Dienstleister bezahlt werden. Ein Festival, das sein Kontingent erst kurz vor dem Termin verkauft, müsste dieselben Vorleistungen über Kredite finanzieren.

Das ist auch der Grund für gestaffelte Preise: Wer früh bucht, zahlt weniger, weil sein Geld dem Veranstalter länger zur Verfügung steht.

Das Wetterrisiko und seine Police

Gegen den Ausfall gibt es die Veranstaltungsausfallversicherung. Sie ersetzt die bereits getätigten Ausgaben, wenn die Veranstaltung aus versicherten Gründen nicht stattfinden kann — Unwetter gehört bei Open-Airs zu den maßgeblichen Auslösern. Die Prämie richtet sich nach der Versicherungssumme und beginnt in der Größenordnung von 0,7 Prozent; ein Freiluftgelände kostet mehr Prämie als eine Halle.

Zwei Punkte übersehen Veranstalter regelmäßig. Der entgangene Gewinn — er liegt oft bei etwa einem Fünftel der Einnahmen — ist nicht automatisch mitversichert, sondern kostet einen Aufschlag. Und die Meldefristen sind kurz: Wer den Schadensfall nicht binnen der vereinbarten Frist anzeigt, riskiert Abzüge bei der Entschädigung.

Warum eher unterbrochen als abgesagt wird

Eine Absage vernichtet die Einnahmen und lässt die Kosten stehen. Deshalb arbeiten Sicherheitskonzepte mit abgestuften Maßnahmen: Räumung der Freiflächen, Unterbrechung des Programms, Verlegung in feste Bauten, Verschiebung einzelner Auftritte. Erst wenn die Lage das nicht mehr zulässt, wird abgebrochen — eine Entscheidung, die der Veranstalter in Abstimmung mit den Behörden trifft und die am Ende, wie fast alles bei einem Open-Air, am Wetterbericht hängt.