Wie die gesetzliche Rente finanziert wird
Die gesetzliche Rentenversicherung spart kein Kapital an. Sie verteilt laufende Beiträge um — und genau daraus ergeben sich die bekannten Konflikte.
Microsoft Katja (Neural, deutsch)
In der Rentendebatte wird häufig über Zahlen gestritten, ohne dass das zugrundeliegende System benannt wird. Dabei folgt die gesetzliche Rentenversicherung einem einfachen Prinzip mit weitreichenden Folgen.
Das Umlageverfahren
Die Beiträge der heute Beschäftigten finanzieren die heute gezahlten Renten. Es wird kein individuelles Kapital angespart; die Rücklage der Rentenversicherung deckt lediglich Schwankungen ab. Wer Beiträge zahlt, erwirbt Entgeltpunkte und damit einen Anspruch gegenüber der Versichertengemeinschaft.
Daraus ergibt sich unmittelbar, warum die Demografie im Zentrum jeder Reformdebatte steht: Das Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentenbeziehenden bestimmt, wie viel bei gegebenem Beitragssatz ausgezahlt werden kann.
Drei Stellschrauben
Es gibt im Wesentlichen vier Größen, die sich nicht unabhängig voneinander bewegen lassen: Beitragssatz, Rentenniveau, Renteneintrittsalter und Steuerzuschuss. Wer eine davon fixiert, verschiebt die Anpassungslast auf die anderen. Genau das ist der Kern des politischen Streits — nicht die Frage, ob das System funktioniert, sondern wer die Anpassung trägt.
Ein erheblicher Teil der Ausgaben wird aus dem Bundeshaushalt finanziert. Begründet wird das mit versicherungsfremden Leistungen, etwa Anrechnungszeiten für Kindererziehung. Damit ist die Rente einer der größten Posten des Bundeshaushalts — und Rentenpolitik zugleich Haushaltspolitik.
Die Rentenformel
Die jährliche Anpassung der Renten folgt einer Formel, die im Kern an die Lohnentwicklung anknüpft und über zusätzliche Faktoren das Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentnern berücksichtigt. Die Formel wurde mehrfach geändert, unter anderem durch Haltelinien, die ein Absinken des Sicherungsniveaus oder ein Überschreiten eines Beitragssatzes verhindern sollen.
Zusätzliche Vorsorge
Betriebliche und private Altersvorsorge sollen die gesetzliche Rente ergänzen. In der Praxis ist die Verbreitung ungleich: Sie hängt stark von Branche, Betriebsgröße und Einkommen ab. Reformvorschläge reichen von einer Standardisierung der geförderten Produkte bis zu kapitalgedeckten Elementen innerhalb des gesetzlichen Systems.
Wer Rentenmeldungen einordnen will, sollte prüfen, auf welche der vier Stellschrauben sich ein Vorschlag bezieht — und wer die Kosten trägt.