Wetter und Klima: Warum der Unterschied zählt
In Debatten über die Erderwärmung werden zwei unterschiedliche Zeitskalen vermischt. Die Unterscheidung ist der Schlüssel zum Verständnis.
Microsoft Katja (Neural, deutsch)
Wetter beschreibt den Zustand der Atmosphäre an einem Ort zu einem Zeitpunkt. Klima beschreibt die Statistik des Wetters über lange Zeiträume, üblicherweise dreißig Jahre. Beides zu vermischen führt zu Aussagen, die in beide Richtungen falsch sind.
Einzelereignisse und Trends
Ein kühler Sommer ist kein Gegenargument gegen eine langfristige Erwärmung, ebenso wenig wie ein einzelner Hitzerekord ein Beweis ist. Aussagekraft haben Trends über Jahrzehnte und die Verschiebung von Häufigkeitsverteilungen: Wenn sich die Verteilung insgesamt nach oben verschiebt, werden extreme Hitzeereignisse häufiger und extreme Kälteereignisse seltener, ohne dass Letztere verschwinden.
Attributionsforschung
Inzwischen lässt sich für einzelne Ereignisse abschätzen, wie stark die Erwärmung ihre Wahrscheinlichkeit verändert hat. Dazu werden Modellsimulationen einer Welt mit und ohne zusätzliche Treibhausgase verglichen. Ergebnisse solcher Studien werden meist als Wahrscheinlichkeitsverhältnis formuliert — etwa, dass ein Ereignis um ein Vielfaches wahrscheinlicher geworden ist. Sie sagen nicht, dass ein Ereignis ohne Erwärmung unmöglich gewesen wäre.
Was gemessen wird
Grundlage sind Messreihen von Wetterstationen, Bojen, Radiosonden und Satelliten sowie Rekonstruktionen aus Eisbohrkernen, Baumringen und Sedimenten. Unterschiedliche Datensätze weichen in Details ab, zeigen aber denselben Trend — ein Punkt, der in Debatten oft als Widerspruch dargestellt wird, tatsächlich aber die übliche Bandbreite wissenschaftlicher Messung abbildet.
Modelle und ihre Grenzen
Klimamodelle berechnen physikalische Prozesse auf einem Gitter. Sie sind gut darin, großräumige Trends abzubilden, und schwächer bei regionalen Details, Wolkenbildung und Kipppunkten. Genau diese Unsicherheiten sind Gegenstand der Forschung — und sie wirken in beide Richtungen: Entwicklungen können auch ungünstiger verlaufen als im mittleren Szenario.
Für die Lektüre
Wer Meldungen einordnen will, achtet auf drei Angaben: Bezugszeitraum, Vergleichsbasis und ob von Wetterlage oder Klimatrend die Rede ist. Aussagen ohne diese Angaben sind meist nicht überprüfbar.