Stadionkonzert: Was vor dem ersten Ton genehmigt sein muss
Ein ausverkauftes Stadion ist das Ergebnis eines Genehmigungsverfahrens, das Monate vorher beginnt — und an einem knappen Kontingent hängt: 18 laute Tage im Jahr.

Microsoft Katja (Neural, deutsch)
Wenn ein Fußballstadion für einen Abend zur Konzertarena wird, sind zwei völlig verschiedene Regelwerke erfüllt worden: eines für die Sicherheit der Besucher, eines für die Ruhe der Nachbarschaft.
Die Sicherheitsseite
Maßgeblich sind die Versammlungsstättenverordnungen der Länder. Sie greifen bei Veranstaltungen ab einer Größenordnung von 200 Besuchern und regeln Fluchtwegbreiten, Anzahl und Qualifikation des Ordnungsdienstes, Brandschutz, Bestuhlung und Beschallungstechnik. Für Großveranstaltungen verlangt die Behörde ein Sicherheitskonzept, das Einlass, Besucherlenkung, Sanitätsdienst und Räumung im Ernstfall beschreibt und mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst abgestimmt ist. Der Innenraum eines Stadions ist dabei ein eigener Fall: Wo sonst Rasen liegt, stehen bei einem Konzert zehntausende Menschen ohne Sitzplatzordnung.
Die Lärmseite und das Kontingent
Für die Nachbarschaft zählt der Immissionsschutz. Sportanlagen unterliegen der Sportanlagenlärmschutzverordnung; Konzerte werden über die Freizeitlärm-Richtlinien der Länder beurteilt. Beide Regelwerke kennen den Begriff des seltenen Ereignisses: Für eine begrenzte Zahl von Tagen darf ein Standort die sonst geltenden Richtwerte überschreiten. Die Obergrenze liegt bei 18 Tagen je Kalenderjahr und Ort. Für Geräuschspitzen gelten dabei Orientierungswerte von 90 Dezibel am Tag und 65 Dezibel in der Nacht.
Dieses Kontingent ist der eigentliche Engpass. Jeder laute Abend verbraucht einen Tag — auch die Sonderspiele des Vereins, für die dieselbe Anlage über den Richtwerten liegt. Wer drei Konzerte in Folge ansetzt, legt drei Tage aus einem Vorrat fest, der sich nicht auffüllen lässt.
Warum Konzerte pünktlich enden
Ab 22 Uhr gilt die Nachtruhe, und die Richtwerte fallen deutlich. Deshalb stehen in Genehmigungen harte Schlusszeiten, deshalb enden Zugaben abrupt, und deshalb kostet eine Überziehung den Veranstalter im Wiederholungsfall die nächste Genehmigung. Die Behörde kann Auflagen zur Ausrichtung der Lautsprecher, zur Pegelbegrenzung und zur Messung während der Veranstaltung machen.
Was sonst noch dranhängt
Dazu kommen Sperrungen und Umleitungen im Straßenverkehr, abgestimmte Sonderfahrpläne im Nahverkehr, gaststättenrechtliche Erlaubnisse für Ausschank und Verkauf sowie Vereinbarungen mit Rettungsdiensten über Vorhaltung und Sanitätswachdienst. Bis alles zusammenpasst, vergehen Monate — sichtbar wird davon am Ende nur der Zeitpunkt, zu dem das Licht ausgeht.


