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Die Gebäudehülle wird zum Engpass

Milliarden für die energetische Sanierung stehen bereit, doch die Zahl der Betriebe, die Fassaden montieren können, wächst nicht mit. Wie ein Fachkräfteproblem zum Bremsklotz der Gebäudewende wird – und wie der Markt darauf reagiert.

Die Gebäudehülle wird zum Engpass
Redaktion Allgemeine Tageszeitung
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Microsoft Katja (Neural, deutsch)

Wenn über die energetische Sanierung des Gebäudebestands gesprochen wird, geht es fast immer um Geld: um Fördersätze, Zinsen, Amortisationszeiten. In der Praxis scheitert ein erheblicher Teil der Vorhaben inzwischen an etwas anderem – an der Frage, wer die Arbeit ausführt.

Ein Markt, der schneller wächst als seine Belegschaft

Die Gebäudehülle ist der größte einzelne Hebel beim Energieverbrauch von Gebäuden. Vor der Heizungstechnik entscheidet sie darüber, wie viel Wärme überhaupt gebraucht wird. Entsprechend hoch ist der Bedarf: Ein Großteil des Wohn- und Nichtwohnbestands in Deutschland stammt aus Jahrzehnten, in denen Dämmung keine Rolle spielte.

Dem steht eine Zahl gegenüber, die sich kaum bewegt. Die Zahl der Beschäftigten im Fassaden- und Ausbaugewerbe stagniert seit Jahren, der Altersdurchschnitt steigt, und die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den einschlägigen Berufen liegt deutlich unter dem Ersatzbedarf. Wer heute eine Fassadensanierung beauftragen will, wartet nicht auf die Bewilligung, sondern auf ein Angebot.

Warum gerade die Montage knapp ist

Der Engpass sitzt nicht überall gleich. Planung, Bauphysik und Materialverfügbarkeit sind selten das Problem – Dämmstoffe, Unterkonstruktionen und Bekleidungen sind lieferbar. Knapp ist die ausführende Arbeit an der Wand: die Montage der Unterkonstruktion, das Setzen der Dämmung, die Befestigung der Bekleidung.

Diese Arbeit lässt sich schlecht automatisieren und nur begrenzt vorfertigen. Sie findet auf dem Gerüst statt, ist witterungsabhängig und verlangt Erfahrung mit Toleranzen, die im Bestand größer ausfallen als im Neubau. Ein Team, das eine hinterlüftete Fassade an einem Altbau sauber ausführt, ist nicht kurzfristig ersetzbar.

Der Markt reagiert mit Arbeitsteilung

Wo Kapazität knapp wird, entsteht Spezialisierung. In den vergangenen Jahren hat sich europaweit ein Segment von Betrieben herausgebildet, die keine eigenen Bauherren bedienen, sondern ausschließlich als Montagepartner für Generalunternehmer und Fassadenbauer arbeiten. Sie bringen eingespielte Teams mit und werden dorthin vergeben, wo eine Kapazitätslücke entsteht.

In der Schweiz, deren Bauwirtschaft dieselbe Knappheit erlebt, ist dieses Modell verbreitet: Anbieter wie Fassadenbau24 stellen Generalunternehmern Monteure für Metall- und hinterlüftete Fassaden, statt eigene Projekte zu akquirieren. Für den Auftraggeber verschiebt sich damit die Frage – nicht mehr, ob ein Betrieb Zeit hat, sondern ob er Personal für ein definiertes Zeitfenster stellen kann.

Ökonomisch ist das eine Antwort auf Auslastungsschwankungen: Montagekapazität lässt sich so über mehrere Auftraggeber verteilen, statt in Leerlaufzeiten vorgehalten zu werden. Arbeitsrechtlich verlangt es klare Abgrenzungen zwischen Werkvertrag und Arbeitnehmerüberlassung – eine Linie, die in der Baubranche regelmäßig Gegenstand von Prüfungen ist.

Was das für Bauherren bedeutet

Für private und gewerbliche Auftraggeber ergeben sich daraus drei praktische Konsequenzen. Erstens verlängern sich Vorlaufzeiten: Wer im Frühjahr saniert werden will, fragt im Herbst an. Zweitens verlieren Preisvergleiche an Aussagekraft, wenn nur zwei von fünf angefragten Betrieben überhaupt anbieten. Drittens gewinnt die Bündelung an Bedeutung – Fassade, Fenster und Dach in einem Zug ausgeführt, sparen Gerüst und Anfahrten und machen den Auftrag für Betriebe attraktiver.

Der Engpass verschiebt die Förderdebatte

Solange die Ausführungskapazität begrenzt ist, wirkt zusätzliche Förderung anders als beabsichtigt. Sie erhöht die Nachfrage in einem Markt, dessen Angebot kurzfristig starr ist – mit der Folge steigender Preise statt zusätzlicher sanierter Quadratmeter. Ökonomen weisen seit Jahren darauf hin; in der Sanierungspolitik spielt der Befund bislang eine untergeordnete Rolle.

Der wirksamere Hebel läge bei der Ausbildung, bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und bei der Vorfertigung: Fassadenelemente, die in der Halle vormontiert und am Bau nur noch eingehängt werden, senken die Zeit am Gerüst erheblich. Beides wirkt langsam. Der Sanierungsstau bleibt damit auf absehbare Zeit weniger eine Frage der Mittel als der Hände.