Gewitter: Was tatsächlich schützt
Zwischen 0,5 und 10 Blitzen pro Quadratkilometer treffen im Jahr auf deutschen Boden. Wer draußen ist, hat wenige, aber klare Regeln.

Microsoft Katja (Neural, deutsch)
Blitzschlag ist selten und trotzdem gefährlich: Die Blitzdichte in Deutschland liegt je nach Region zwischen etwa einem halben und zehn Einschlägen pro Quadratkilometer und Jahr, mit deutlichem Süd-Nord-Gefälle. Wer im Sommer draußen unterwegs ist, sollte drei Dinge wissen.
Die 30-30-Regel
Sie beantwortet die beiden einzigen Fragen, auf die es ankommt: wann Schutz nötig ist und wann die Gefahr vorüber ist.
Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, ist das Gewitter nah genug, um sofort Schutz zu suchen — rund drei Sekunden entsprechen einem Kilometer. Und: Erst 30 Minuten nach dem letzten Donner gilt die Gefahr als deutlich verringert. Der zweite Teil wird häufiger missachtet als der erste; Blitze aus abziehenden Zellen schlagen noch weit hinter der Regenfront ein.
Wo man sicher ist
Am besten schützt ein Gebäude mit Blitzschutzanlage. Fast ebenso gut schützt ein Auto: Die geschlossene Metallkarosserie wirkt als faradayscher Käfig und leitet den Strom außen um die Insassen herum in den Boden. Das gilt auch für Elektroautos, ebenso während des Ladevorgangs — die Fahrzeugelektronik kann Schaden nehmen, die Insassen sind geschützt. Nicht geschützt sind Cabrios mit Stoffverdeck, Motorräder, Fahrräder und offene Unterstände.
Wo man es nicht ist
Im Freien ist jeder freistehende hohe Gegenstand gefährlich — Bäume, Masten, Türme. Der Merkspruch von den Eichen, denen man weichen, und den Buchen, die man suchen solle, ist falsch: Die Baumart spielt keine Rolle, allein die Höhe und die freie Lage entscheiden.
Bleibt kein Schutzraum erreichbar, gilt: eine Mulde aufsuchen, in die Hocke gehen, Füße eng zusammenstellen, Arme an den Körper. Sich flach hinzulegen ist falsch — je größer der Abstand zwischen zwei Berührungspunkten am Boden, desto größer die Spannung, die der über den Boden abfließende Blitzstrom durch den Körper treibt. Abstand halten sollte man außerdem zu Metallzäunen, Bahngleisen und offenen Wasserflächen; Gruppen verteilen sich, statt eng zusammenzustehen.
Drinnen bleibt der Überspannungsschutz
Im Gebäude gilt die Gefahr weniger dem Menschen als der Elektronik. Ein Einschlag in der Nachbarschaft reicht, um über das Stromnetz Überspannungen einzukoppeln, die Geräte zerstören. Wirksam ist ein fest installierter Überspannungsschutz im Zählerkasten, ergänzt um Steckdosenleisten mit Schutzfunktion. Das alte Ziehen der Stecker hilft auch — aber nur, solange man zu Hause ist.


