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Erststimme, Zweitstimme: So wählt Deutschland den Bundestag

Viele halten die Erststimme für die wichtigere. Tatsächlich bestimmt die Zweitstimme, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist.

Die Redaktion
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Microsoft Katja (Neural, deutsch)

Das deutsche Wahlsystem gilt als kompliziert, folgt aber einer einfachen Grundidee: Die Sitzverteilung soll das Zweitstimmenergebnis abbilden, während die Erststimme dafür sorgt, dass jeder Wahlkreis im Parlament vertreten ist.

Zwei Stimmen, zwei Funktionen

Mit der Erststimme wird eine Person im Wahlkreis gewählt. Gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält — eine absolute Mehrheit ist nicht nötig. Mit der Zweitstimme wird eine Landesliste einer Partei gewählt. Sie entscheidet über das Kräfteverhältnis im Bundestag und ist damit die für die Regierungsbildung maßgebliche Stimme.

Die Hürden

In den Bundestag ziehen grundsätzlich nur Parteien ein, die bundesweit mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erreichen. Daneben gibt es die Grundmandatsklausel, die Parteien mit einer bestimmten Zahl direkt gewonnener Wahlkreise auch unterhalb dieser Schwelle berücksichtigt. Für Parteien nationaler Minderheiten gilt die Sperrklausel nicht.

Warum das Parlament wuchs — und was dagegen unternommen wurde

Jahrzehntelang konnte der Bundestag über seine Sollgröße hinauswachsen: Gewann eine Partei in einem Land mehr Wahlkreise, als ihr nach Zweitstimmen zustanden, entstanden Überhangmandate, die zum Ausgleich für die anderen Parteien führten. Aus 598 Sitzen wurden so zeitweise deutlich mehr, mit entsprechenden Kosten und Abläufen.

Der Gesetzgeber hat darauf mit einer Reform reagiert, die die Zahl der Sitze fest deckelt und die Zweitstimmendeckung in den Vordergrund stellt: Direktmandate führen nur dann zu einem Sitz, wenn sie durch das Zweitstimmenergebnis der Partei im jeweiligen Land gedeckt sind. Das kann dazu führen, dass eine im Wahlkreis erfolgreiche Bewerberin nicht in den Bundestag einzieht — ein Punkt, der politisch umstritten blieb und die Gerichte beschäftigt hat.

Was daraus folgt

Für Wählerinnen und Wähler heißt das vor allem: Wer eine Partei stärken will, muss ihr die Zweitstimme geben. Und wer am Wahlabend Ergebnisse einordnen will, achtet zuerst auf die Zweitstimmenanteile und die Frage, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde nehmen — dort entscheidet sich, welche Koalitionen rechnerisch überhaupt möglich sind.