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Ehrenamt: Wer im Notfall tatsächlich ausrückt

Der Katastrophenschutz in Deutschland ruht überwiegend auf unbezahlter Arbeit. Das ist eine Stärke des Systems und zugleich seine empfindlichste Stelle.

Die Redaktion
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Microsoft Katja (Neural, deutsch)

Wenn nachts ein Melder piept, verlässt in den allermeisten deutschen Gemeinden keine Berufskraft das Haus, sondern jemand, der tagsüber einem anderen Beruf nachgeht. Berufsfeuerwehren gibt es nur in größeren Städten; die Fläche wird von Freiwilligen Feuerwehren abgedeckt.

Wer zum System gehört

Neben den Feuerwehren tragen die Hilfsorganisationen — Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter, Malteser, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft — sowie das Technische Hilfswerk den Katastrophenschutz. Das THW ist eine Bundesanstalt, deren Einsatzkräfte fast vollständig ehrenamtlich tätig sind. Hinzu kommen Bergwacht, Wasserrettung und Rettungshundestaffeln.

Die Zuständigkeiten sind gestuft: Brandschutz und Rettungsdienst liegen bei Ländern und Kommunen, der Zivilschutz beim Bund. Diese Aufteilung ist historisch gewachsen und wird nach jeder größeren Lage neu diskutiert.

Was Ehrenamtliche investieren

Ausbildung, Übungsdienste, Bereitschaft: Der Zeitaufwand geht weit über die Einsätze hinaus. Arbeitgeber müssen Einsatzkräfte für Einsätze freistellen; die Fortzahlung des Entgelts wird ihnen erstattet. In der Praxis ist die Verfügbarkeit tagsüber dennoch das größte Problem, weil viele Mitglieder außerhalb ihres Wohnorts arbeiten.

Wo es klemmt

Die Mitgliederzahlen sind über die Jahre erstaunlich stabil geblieben, die Belastung aber gestiegen: mehr Extremwetterlagen, mehr technische Hilfeleistung, komplexere Ausbildung, dazu Fahrzeuge und Ausrüstung, deren Beschaffung Jahre dauert. Diskutiert werden Entlastung bei der Bürokratie, Anerkennungskultur und die Frage, ob Kernaufgaben dauerhaft ohne Hauptamt zu leisten sind.

Wie man dazukommt

Der Einstieg ist unspektakulär: Kontakt zur örtlichen Wehr oder Ortsgruppe, ein Probeabend, dann eine Grundausbildung, die über mehrere Wochenenden läuft. Wer keine Einsatzabteilung anstreben will, wird in Verwaltung, Ausbildung, Jugendarbeit oder Verpflegung ebenso gebraucht.

Die nüchterne Rechnung dahinter: Ein flächendeckend hauptamtliches System wäre um ein Vielfaches teurer. Dass es die Freiwilligen gibt, ist keine Selbstverständlichkeit — sondern die Voraussetzung dafür, dass Hilfe in wenigen Minuten eintrifft.